„Ermittler sollen leichter an Passwörter kommen“

Mit dieser Unterschrift war es heute bei golem.de zu lesen. Die Bundesregierung will Ermittlern den Zugriff auf Nutzerdaten bei Internetdiensten wie Mail-Anbieter, Foren oder sozialen Medien erleichtern. Die IT-Branche und die Opposition sehen einen „Albtraum für die IT-Sicherheit“.

Definieren wir zunächst was und wer in diesem Artikel mit „Die Bundesregierung“ gemeint ist.

Genau genommen handelt es sich um einen Referententwurf des des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz vom 12.12. diesen Jahres mit dem Titel: „Entwurf eines Gesetzes zur Bekämpfung des Rechtsextremismus und der Hasskriminalität“ , welcher hier zu finden ist:

https://drive.google.com/file/d/1gV4FIr6cNu2s1W37vd7NJZC4HNceruKL/view

Hasskriminalität was ist das überhaupt?

Gemeint ist mit dem Begriff „Kriminalität“ nach herrschender Lehrmeinung nicht nur das von der Polizei als Straftat bewertete Verhalten, sondern sämtliche Rechtsverletzungen von strafrechtlichen Tatbeständen. (Wikipedia)

Strafrechtliche Tatbestände

Hier wird unterschieden zwischen dem

Objektiver Tatbestand
Der objektive Tatbestand ist in der jeweiligen Norm durch sog. Tatbestandsmerkmale formuliert. Dies sind die äußerlichen Umstände, die gegeben sein müssen (Erfüllen der Tatbestandsmerkmale).

und dem sog.

Subjektiver Tatbestand
Der subjektive Tatbestand bezieht sich auf das Bewusstsein des/der TäterIn während der Tat bzw. auf seine/ihre Einstellung gegenüber seiner/ihrer Handlung; daher “subjektiv” – gemeint ist die innere Haltung des Täters.

Allerdings findet sich im Strafrecht anders als bei der sog. „Verhetzung“ (Volksverhetzung) kein Paragraph, der den Hass oder das hassen eineutig verbietet, gar unter Strafe stellt. (https://kripoz.de/2018/07/16/der-unmoegliche-zustand-des-%C2%A7-130-stgb/)

Das wirft die Frage auf, wie es eine Kriminalität ohne Straftatbestand geben kann? Vieleicht könnte ein Jurist hier Klarheit schaffen. Die viel interessantere Frage ist die wozu die Strafverfolgungsbehörden in diesem Kontext die Klartextpasswörter benötigen? (Zugriff auf die IP-Adresse haben sie bereits)

Die IP Adresse kann lediglich eindeutig einem Telefonanschluss zugeordnet werden nicht einem Täter und ein Passwort kann ebensowenig eindeutig einem Täter zugeordnet werden. (Identitätsdiebstahl) Dazu bedürfte es einer digitalen Signatur die nicht abstreitbar sein darf also einer mehrstufigen Authentifizierung und Identifizierung mittels Schlüsselaustauschs. (https://www.docusign.de/wie-es-funktioniert/elektronische-signatur/digitale-signatur/digitale-signatur-faq)

Ein Blick in den Entwurf klärt auf:

Eine effektive Strafverfolgung setzt außerdem voraus, dass die Tatverdächtigen identifiziert
und Beweise gesichert werden können. In der Strafprozessordnung ist die Erhebung von

Bestands- und Verkehrsdaten gegenwärtig explizit nur für Maßnahmen gegenüber Tele-
kommunikationsdiensteanbietern geregelt. Eine spezielle Regelung für die Datenerhebung

gegenüber Telemediendiensteanbietern fehlt bisher. Diese soll nun geschaffen werden.

Kennen wir das nicht von irgendwoher ?(Vorratsdatenspeicherrung)

Und das auch :

Die Verbreitung kinderpornografischer Inhalte stellt weiterhin ein ernstzunehmendes Prob-
lem dar, wie auch der Bericht der Bundesregierung über die im Jahr 2018 ergriffenen Maß-
nahmen zum Zweck der Löschung von Telemedienangeboten mit kinderpornografischem

Inhalt im Sinne des § 184b des Strafgesetzbuchs belegt. Eine konsequente Strafverfolgung
kann dazu beitragen, den Markt für entsprechende Produkte auszutrocknen und damit der

weiteren Herstellung solcher Missbrauchsdarstellungen sowie der Gefahr entgegen zu wir-
ken, dass Dritte zur Nachahmung angeregt werden. Hierdurch kann ein wichtiger Beitrag

zum Schutz von Kindern vor sexuellem Missbrauch geleistet werden. Deshalb soll die Mel-
depflicht auch für das Zugänglichmachen kinderpornografischer Inhalte gelten.

Was aber hat das mit der sog. Hasskriminalität zu tun ?

Auf den ersten Blick gar nichts doch weit gefehlt, um die freie und unzensierte Meinungsäußerung zu beschränken und zu verbieten bietet sich kein Straftatbestand besser an als der des Besitzes und der Verbreitung von Kinderpornographie. Doch wozu braucht es hier die Passwörter ? Bei Verdacht der Verbreitung illegaler Inhalte kann sowohl der Datenverkehr mitgeschnitten werden (Beweismittel) als auch die IP-Adresse ermittelt werden  beides beweist jedoch nicht zwingend die Täterschaft (gekaperte PC, Botnetze) Passwörter helfen hier überhaupt nicht weiter.

Dieser Enwurf fordert die Änderrung nahezu sämtlicher Gesetze die im Zusammenhang mit der Internetnutzung stehen als auch der StPO, des  Bundeskriminalamtgesetzes und des Telemediengesetzes.(So sollen auch die Geheimdienste Zugriff erhalten) Ferner obliegt dann dem Betreiber solcher Netzwerke oder Plattformen eine Meldepflicht d.h. er muss kontinuierlich sämtliche Inhalte auf solche Ansatzpunkte hin überprüfen.

Die Änderrungen werden damit begründet, dass das Auskunftsverfahren im TMG bislang „nur rudimentär geregelt“ sei. Nun werdfen wir einmal einen Blick auf die bestehende Rechtslage:

Paragraf 14 des TMG verpflichtet die Anbieter von Telemediendiensten, die Bestandsdaten „im Einzelfall“ herauszugeben.

Darauf verwies auch ein Ministeriumssprecher auf Anfrage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Passwörter seien auch nach geltendem Recht Teil der Bestandsdaten und könnten „in einem konkreten Ermittlungsverfahren unter der Sachleitung einer Staatsanwaltschaft herausverlangt werden“. Zudem müssten aus Gründen der Datensicherheit Passwörter regelmäßig „in verschlüsselter Form gespeichert werden und können entsprechend nicht unverschlüsselt herausgegeben werden“, daran ändere die neue Regelung nichts.(Golem.de)

Internetdienste sind rechtlich verpflichtet, die Bestandsdaten ihrer Nutzer vor unbefugtem Zugriff zu schützen. Entsprechende Versäumnisse können zu hohen Bußgeldern durch die Datenschutzbehörden führen (DSGVO, BDSG)

„Über das Auskunftsersuchen und die Auskunftserteilung haben die Verpflichteten gegenüber den Betroffenen sowie Dritten Stillschweigen zu wahren“, heißt es weiter. Dies bedeute nicht, dass der Betroffene oder Dritte nicht informiert würden.

Warum eigentlich nicht? Der Betrieber kann doch auf Anzeige hin den Benutzeraccount sperren, um so Bweise zu sichern und weiteren Missbrauch zu unterbinden.

Die Bundesregierung reagiert damit auch auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) vom Juni 2019. Das höchste europäische Gericht hatte E-Mail-Provider wie Gmail nicht als Telekommunikationsdienste eingestuft und damit entschieden, dass solche Dienste keine Überwachungsschnittstellen für deutsche Behörden einrichten müssen. Unter Berufung auf dieses Urteil hatte der E-Mail-Provider Posteo erklärt, er sehe derzeit keine Rechtsgrundlage „für etwaige Telekommunikationsüberwachungen (TKÜ) bei E-Mail-Diensten“. Posteo dürfe daher solche Anordnungen nicht mehr umsetzen.

Hier kommen wir den wahren Beweggründen der sog. „Bundesregierung“ also dem Herrn Bundesinnenminister username HeimatHorst Passwort wahrscheinlich „Totalüberwachung“ schon sehr viel Näher. Was durch die Vordertür nicht durchgeht probiern mers mal durch die Hintertür.

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Konstantin Kuhle twitterte: „Die Pflicht zur Passwort-Herausgabe ist ein Albtraum für die IT-Sicherheit. Der Schutz der Persönlichkeitsrechte im Internet darf nicht zur Abschaffung vertraulicher Kommunikation führen. Traurig, dass gerade das Justizministerium die Erosion der Bürgerrechte vorantreibt.“ 

Hier stimme ich Herrn Kuhle vollumfänglich zu  – wehret den Anfängen!

 

 

 

„Freier Zugang zum Internet muss Menschenrecht sein“

Mit Blick auf das Internet Governance Forum erklärt der Bundeswirtschaftsminister, dass der freie Zugang zum Internet ein Grund- und Menschenrecht sein müsse.

in dem Artikel bei heise-online https://www.heise.de/newsticker/meldung/Altmaier-Freier-Zugang-zum-Internet-muss-Menschenrecht-sein-4595294.html?xing_share=news

war heute ein Statement unseres vereehrten Bundeswirtschaftsministers Peter Altmaier zu lesen in dem er sich für ein „Grund – und Menschenrecht“ zum freien Zugang zum Internet aussprach. Bedauerlicherweise ist nicht erläutert was er mit „Freiem Zugang“ meinte und von welchen Internet er sprach. Allerdings  verglich er diesen mit dem Recht auf Bildung oder medizinische Versorgung.

Er soll gesagt haben: „“Der freie Zugang zum Internet muss ein Grund- und Menschenrecht sein, das für alle Menschen weltweit gilt“, erklärte der CDU-Politiker am Sonntag. „So wie es ein Grundrecht ist, Zugang zu Wasser, zur Gesundheitsversorgung oder zu Bildung zu haben.“ Das Internet müsse auch für Bürger in Schwellen- und Entwicklungsländern „global und frei bleiben“.

und weiter „“Daran müssen sich alle halten, sowohl Regierungen als auch nichtstaatliche Interessengruppen“.

Dies gibt sowohl Anlass zu Bewunderung als auch zu großer Sorge. Sollte dem Herrn Bundeswirtschaftsminister u.a. entgangen sein das der Großteil der Weltbevölkerrung weder Zugang zu sauberem Trinkwasser noch gesundheitlicher Versorgung geschweige denn Bildung hat? Ist es ihm ferner unbekannt daß all das selbst in sog. hochentwickelten Wirtschaftsnationen nur dem zur Verfügung steht, der in der Lage ist, dafür entsprechende , teils völlig überzogene Preise aufgrund eines Monopols, zu zahlen.

Hat der Herr Bundeswirtschaftsminister, welcher selbst aus ländlicher Umgebung und sog. einfachen Verhältnissen stammt, vergessen bzw. noch nicht realisiert, daß gerade in diesem unserem Lande nachweislich nichts  mehr den Zugang zu medizinischer Versorgung und Bildung beeinflusst als das sog. soziale Umfeld und die soziale Herkunft? Dazu gehört auch wo jemand lebt. Die medizinische Vorsorgung in ländlichen mittlerweile gänzlich abgehängten Regionen Deutschlands, in denen es nicht mal mehr einen Lebensmittelladen oder eine Dorfkneipe gibt, als auch der Zugang zu Bildung in weit weit entfernten Schulzentren ganz zu schweigen von der  flächendeckenden Versorgung mit breitbandigen Internetanschlüssen ist bekanntermaßen gerade in solchen Regionen vorzüglich. Doch das hört sich schlimmer an als es ist leben dort eh nur noch Menschen, die sich das alles eh nicht leisten könnten selbst wenn es zur Verfügung stünde.

Was verstehen Sie denn bitte unter freiem Zugang Herr Bundeswirtschaftsminister? Könnte es sein dass sie Ihre Kompetenzen zu weit auslegen – immerhein endet Ihr Einflussbeich spätestens an den Landesgrenzen und außerhalb dieser haben Sie salopp formuliert weder etwas zu sagen geschweige zu bestimmen.

Warum Herr Bundeswirtschaftsminister steht in einem der reichsten Länder derWelt nicht jedem Bürger der kostenlose, weil steuerfinanzierte Zugang zum Internet zu? Weshalb ist der Zugang zu öffentlichen WLAN Netzen nirgends in Europa so reglemetiert wie in Deutschland?

Warum zahlen wir für mobiles Internet Preise, die an die Frühzeit des Netzes unter dem Monopol der deutschen Bundespost erinnern? (Heute Quasimonopol der Telekom)

Welcher Arbeiter oder normalverdienende Bürger hat denn Zugang zu privatärztlicher Versorgung?

Warum gibt es in Deutschland kein vergleichbares Modell der School of the Air of Australia für Kinder aus ländlichen Regionen?

Weshalb gibt es keine bezahlbaren Alternativen zu ADSL außer den Kabelnetzen der Medienanbieter? (z.b. Satellit)? Weshalb kann ich als Privatkunde keine 2 DSL Anschlüsse bei verschiedenen Anbietern beantragen? Weshalb muss ich auf das Wohlwollen der Telekom hoffen mir einen Aschluss ihres Gusto zu schalten ? (50.000 bezahlen aber nur 25.000 nutzen können)

Kann es sein dass Sie nicht wissen worüber Sie lamentieren Herr Bundeswirtschaftsminister, ist es vlt. nur das Nachplappern der Forderrungen Ihrer Lobbyisten aus der Wirtschaft oder haben Sie schlichtweg keine Ahnung was in diesem Land Standard ist?

Ihren Aussagen zu Folge dürfte Ihr Sturz in Dortmund vlt. doch schwere Folgen gehabt haben .

Ich möchte Ihnnen Dieter Nuhr empfehlen, der einmal gesagt hat: „Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten!“

 

 

Das Darknet – nur ein Treffpunkt für Kriminelle? von RA Johannes Schaack aud anwalt.de

  • Vergangene Woche stürmten Beamte der GSG9 ein Rechenzentrum in Traben-Trarbach an der Mosel.
  • Hier befanden sich 2000 Computer, die einen der zentralen Knotenpunkte im kriminellen Darknet bildeten.
  • Sieben Personen wurden festgenommen.
  • Websites im Darknet sind aufwendig verschlüsselt, damit sich Außenstehende keinen Zugang verschaffen können.
  • Viele Kriminelle koordinieren daher über das Darknet illegale Aktivitäten.
  • Die Funktionsweise des Darknet selbst ist nicht illegal, doch wer dort illegale Angebote in Anspruch nimmt, muss mit Konsequenzen rechnen

Scharfe Wachhunde auf dem Grundstück, Geheimniskrämerei über den Inhalt der Server: Das große Rechenzentrum in der Kleinstadt Traben-Trarbach in Rheinland-Pfalz war den Anwohnern seit Jahren verdächtig vorgekommen.IT-Recht Hier kann Ihnen ein Anwalt für IT-Recht helfen

Großeinsatz in Rheinland-Pfalz führte zu einem entscheidenden Schlag gegen das kriminielle Darknet

Schließlich wurden auch die Ermittlungsbehörden hellhörig und handelten. Letzten Freitag führten insgesamt 600 Einsatzkräfte – darunter auch Beamte der GSG9 – eine Razzia in dem ehemaligen Bundeswehr-Bunker durch. 2000 Server wurden abgeschaltet und die Betreiber des Rechenzentrums festgenommen.

Laut den Ermittlern liefen auf den Servern des „Cyberbunkers“ unter anderem in der Szene bekannte Plattformen für Drogenhandel wie „Cannabis Road“, „Wall Street Market“ und „Flugsvamp 2.0“. Die Medien sprechen von einem entscheidenden Schlag gegen das illegale Darknet. Sieben der Betreiber sitzen nun in Haft. 

Was ist das Darknet?

Bei einem Darknet handelt es sich ein autarkes Netzwerk, das nicht öffentlich sichtbar ist und sich nur mithilfe spezieller Software aufrufen lässt. Die dadurch bereitgestellten Inhalte bleiben in Suchmaschinen wie Google unsichtbar, da diese darauf ausgelegt sind, das sogenannte Clearnet – sprich, das öffentlich zugängliche Internet – zu indizieren. 

Zu den verbreitetsten Beispielen für Darknets gehören etwa sogenannte Friend-to-Friend-Netzwerke, in denen geschützte Verbindungen nur mit ausgewählten Personen eingegangen werden.

Das Darknet als unsichtbarer Bruder des World Wide Web

Den größten Bekanntheitsgrad hat das sogenannte „Tor“-Netzwerk erlangt, das mittels einer im Hintergrund laufenden Software eine spezielle, anonymisierte Verbindung herstellt. „Tor“ ermöglicht auf diese Weise den Zugriff auf spezielle Adressen mit der Endung „.onion“. Diese sind nach dem „Onion-Routing-Anonymisierungssystem benannt und auf anderem Wege nicht aufrufbar. 

Die Auswahl an über „Tor“ aufrufbaren Angeboten ist mittlerweile sehr umfangreich. Eine Übersicht finden Internetnutzer etwa auf zahlreichen Verzeichnisseiten, die – üblicherweise nach Kategorien geordnet – weitere „.onion“-Links bereitstellen.

Die Anonymität des Darknet ist kein Selbstzweck

Das Prinzip des Darknet stammt bereits aus den 1970er-Jahren und fand primär aus Sicherheitsgründen Verwendung, um etwa wichtige Firmeninformationen vor öffentlichem Zugriff zu schützen. 

Heute kommt es auch oftmals zum Schutz von Whistleblowern oder verfolgten Minderheiten in totalitären Staaten zum Einsatz, da sich eine staatliche Kontrolle von anonymen Darknets schwieriger realisieren lässt als im öffentlichen Web.

Ist die Nutzung des Darknet als solche illegal?

Was ist also illegal am Darknet, wie es aus etlichen Quellen zu hören ist? Zunächst einmal nichts. Problematisch wird es allerdings, wenn unseriöse Angebote ins Spiel kommen. 

Ein großer Teil der Internetkriminalität hat sich aufgrund der ausgefeilten Überwachungstechniken für das Clearnet in weniger transparente Netzwerke verlagert. Bedingt durch die auf Anonymität ausgelegte Funktionsweise des Darknet ist eine Rückverfolgung nämlich einiges schwieriger als im regulären WWW. 

Ist das Darknet ein genereller Tummelplatz für Waffen- und Drogenhändler?

Gemäß einem Artikel im „Handelsblatt“ erhält man im Darknet schneller eine Waffe als sonst einen Termin beim Facharzt. Doch auch die höhere Anonymität beim Surfen im Darknet schützt auf lange Sicht nicht vor dem langen Arm des Gesetzes. 

Eine Rückverfolgung von Darknet-Aktivitäten ist zwar schwierig, aber keinesfalls unmöglich. Und wer ohne die zugehörige Erlaubnis mit einer Schusswaffe ertappt wird, dem blüht gemäß § 51 WaffG eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren. Bei besonders schweren Fällen können bis zu zehn Jahre daraus werden. 

Wenn Drogen im Spiel sind, versteht das Gesetz ebenso kein Pardon. Laut § 29 BtMG kann sich, wer unerlaubt mit Rauschgift aller Art hantiert, eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren einhandeln.

Handel mit geknackten Online-Konten

Auch der Handel mit gestohlenen Nutzerkonten bei Diensten wie Amazon, Netflix oder Maxdome ist mittlerweile ein weitverbreiteter Bestandteil von unseriösen Seiten im Darknet geworden. Zwar mag es für Schnäppchenjäger mit schmalem Geldbeutel verlockend klingen, Streaming-Dienste für nur einen Bruchteil des ursprünglichen Preises nutzen zu können. Allerdings kann hier der Tatbestand der Datenhehlerei gemäß § 202d StGB erfüllt sein. 

Hier droht eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren. Auch das Hantieren mit Kreditkarten- und Online-Banking-Daten, das ebenso von Kriminellen im Darknet betrieben wird, ist hiervon umfasst.

Handel mit gefälschten Pässen

Der Handel mit fingierten Ausweispapieren ist auf diversen Plattformen im Darknet ebenso immer wieder zu beobachten. Wer sich allerdings darauf einlässt, beginnt genauso ein Spiel mit dem Feuer. Auch wer einen gefälschten Ausweis nur verwendet, lässt sich gemäß § 267 StGB eine Urkundenfälschung zuschulden kommen. Das Resultat kann eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe sein.

Vorsicht vor auffällig günstigen Angeboten im Darknet

Vom erstaunlich günstigen Smartphone bis hin zum für einen Apfel und ein Ei angebotenen Gebrauchtwagen: Die Bandbreite an zwielichtigen Angeboten im Darknet ist beachtlich.

Wer jedoch gestohlene Waren kauft – die sich im Großteil der Fälle an ihren Dumping-Preisen erkennen lassen –, kann den Straftatbestand der Hehlerei gemäß § 259 StGB erfüllen. Und nicht zuletzt steht fest: Wer im Darknet Schnäppchen jagt und gleichzeitig vor Gericht auf Ahnungslosigkeit plädiert, hat keine hohen Chancen, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen.

Ab wann ist mit Strafen zu rechnen?

Strafrechtlich relevant kann der Aufenthalt im Darknet mit dem Kontakt mit dem Anbieter eines illegalen Angebots werden. Neugierige Internetnutzer, die nur kurz erforschen möchten, was die dunkle Seite des Web zu bieten hat, dürften in der Regel ungeschoren davonkommen.

Auch kurzes Surfen kann zum Verhängnis werden

Doch Vorsicht: Sollte ein Anbieter eines illegalen Darknet-Angebots ins Visier von Fahndern gelangen, ist es möglich, dass derjenige, der dort Spuren hinterlassen hat, auch in Erklärungsnot gerät. 

Noch heikler wird es, wenn es um Sites für den Tausch von Kinderpornografie geht: Bereits das bloße Betrachten von Kinderpornografie kann ein Verstoß gegen § 184 b StGB und somit strafbar sein. Maximal kann eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren drohen. 

Demzufolge kann auch derjenige in beträchtliche Schwierigkeiten geraten, der aus reiner Neugier bei entsprechenden Sites „nur kurz vorbeisurft“. Wer vollkommen auf der sicheren Seite sein möchte, sollte bereits auf jedes Anklicken von Links verzichten, wenn er auf dermaßen heikle Darknet-Beiträge stößt. 

Das Märchen von der Anonymität im Internet

Es war einmal in den 1970-er Jahren des letzten Jahrhunderts. Die US amerikanische Behörde DARPA hatte eben ein landesweites Datennetz bestehend aus 4 Standorten (4 US Universitäten) das sog. ARPA-Net (häufig als Vorgänger das heutigen Internets bezeichnet) aus der Taufe gehoben als der Begriff Darknet geboren wurde. Er bezeichnete mit Hinblick auf den militärisch-wissenschaftlichen Charakter des ARPA-net sog. isolierte Netzwerke. Gemeint waren in sich geschlossene Netzwerke zwischen „gleichberechtigten“ Knoten (sog. Peer2Peer) zu denen nur die Mitglieder des Netzes Zugang haben sollten, und das nicht sofort bemerkt werden sollte. Die Informatik definiert ein „Darknet“ als ein sog. peer2peer-overlay Netzwerk. Dahinter verbirgt sich nichts anderes als eine Rechner-Rechner-Verbindung zwischen gleichberechtigten Endpunkten, die auf ein bereits bestehendes Netzwerk (Underlay) aufgesetzt wird. Es handelt sich dabei um ein (logisches) Netz oberhalb existierender Infrastruktur mit eigenem Adressraum und ggf. eigenem Routing. Also nichts anderes als ein virtuelles ÜBERREGIONALES Netz (AUCH ALS SDWAN BEKANNT) in dem es sowohl eigene Adressen, als auch ein eigenes Wegewahlverfahren gibt. Sinn und zweck eines solchen Konstrukts ist es nicht eine vermeintlich sichere, weil völlig anonyme Plattform für Straftaten aller Art zu bieten, wie es uns unsere Meinungspresse verkaufen möchte, sondern z.b. aktuelle Technologien wie IPv6 zu testen oder alternative Routen für die Daten anlegen, vorhandene Hardware durch Virtualisierung effizienter zu nutzen und Netze sinnvoll aufzuteilen.

Keinesfalls ist es Sinn und Zweck eines solchen logischen Netzes, Kriminellen ein sicheres Versteck für Ihre Aktivitäten zu bieten!

übrigens das Internet war in seinen Anfängen ein Overlay-Netz über dem bestehenden Telefonnetz. Teilweise ist dies auch heute so, da es noch immer Nutzer gibt, die sich per Modem mit dem Internet verbinden. Mittlerweile wird das Telefonnetz durch VoIP aber zunehmend zu einem Overlay-Netz, das auf dem Internet aufsetzt.